Let's rock and trade - Was hat ein Folksong mit der Markttechnik gemeinsam? (Gastbeitrag von Michael Voigt)
Es stand einmal geschrieben: Ein guter Rocksong besteht aus drei Akkorden. Mehr ist nicht notwendig um Bauch, Herz und Hirn gleichzeitig anzusprechen. Das klingt ziemlich einfach, und doch ist es eine unglaubliche Gabe, Tempo, Tonlage, Akzentuierung und Hookline dann so zu treffen, das Millionen Menschen anfangen zu träumen, mitzusummen und mitzusingen. Vielleicht zum Nachdenken und Umdenken gebracht werden. Und möglicherweise auch dazu, etwas zu lernen. Auf jeden Fall sich besser zu fühlen.
Auch guter, daher beständiger und duplizierbarer Börsenhandel besteht im Wesentlichen aus wenigen Akkorden, genau genommen fünf: Wissen um, die Kursentstehung; Positionierungen von Marktteilnehmern; Trendaufbau; Zusammenspiel der Zeiteinheiten; Wissen um die Merkmale von Bewegung und Korrektur.
Während der Tätigkeit als Berufshändler wird man immer wieder feststellen, dass vielen privaten Anlegern und Tradern – egal ob Anfänger aber auch manch Fortgeschrittene – die grundsätzliche Einsicht in den Börsenhandelsprozess fehlt. Ihr Fachwissen ist oft einfach unzureichend. Gerade die tagtägliche Praxis erfordert aber ein fundiertes Wissen um die Materie und die daraus resultierenden Zusammenhänge. – Klar, tausend mal gehört! Aber, obwohl die bloße Anwendung von Geldanlagen oder des Tradings an sich sehr simpel ist – »Long und Short … schon klar! Nudeln kochen ist komplizierter!«, so gestaltet sich der eigentliche Entwicklungsprozess umso schwieriger. Denn: bereits bei der ersten Order wird dem Anfänger mit dem großen Themenbereich konfrontiert, der für das erfolgreiche Verhalten von Bedeutung ist und mit der Frage: »Wo entsteht überhaupt Bewegung im Markt?« umrissen werden kann. Kurz: Es geht um die Markttechnik.
Und genau an dieser Stelle muss der Trader die oben erwähnten fünf »Akkorde« zu einem Lied, sprich zu einem Trade, zusammenfügen, der seiner »Tonlage«, »Tempo« und »Akzentuierung« kurz: Tradingsstil entspricht. Beleuchten wir an dieser Stelle kurz (die umfassende Betrachtung umfasst mehrere Bücher) jeden einzelnen Akkord.
… erster Akkord: Kursentstehung:
Das die Kurse nicht aus einen Topf gezogen werden, ist zwar jedem Börsenanfänger klar, aber dennoch die Frage: Was meinen Sie, wie viele Anleger einen Kurs selbst nachrechnen könnten?
»…warum sollte ich das nachrechnen, die Börse wird doch keine Fehler machen!« könnte eine Antwort sein. Sicher, die Börse macht auch keine Fehler. Manch Tradinganfänger aber schon.
– »Angebot und die Nachfrage ergeben den Kurs«
– »Ja. Aber wie nun genau?«
…zweiter Akkord: Marktteilnehmer
Interessant ist hier, dass sich viele Börsenanfänger nach einer Positionseröffnung ständig nur in ihre Position hineindenken, obwohl sie doch nun kein weiterer Bestandteil des Börsenverlaufes mehr sind, da sie ihre Order ja bereits abgegeben haben. Viel interessanter wäre es doch jetzt sich genau in eben jene Marktteilnehmer hineinzudenken, welche a) bereits weit frühzeitiger im Markt positioniert waren (long, sowie short) und nun eine Positionsschließung - sei es als Gewinnmitnahme oder Auslösung nachgezogener Stopp - nachdenken oder b) an die Marktteilnehmer zu denken, welche kurz davor sind eine Position neu zu eröffnen. Denn nur diese beiden Marktteilnehmer sind momentan in der Lage die Kurse zu verändern, da ihre Orders bevorstehen und somit eine Veränderung des Orderbuches bevorsteht und daher eine Kursänderung nachsichzieht. An der Stelle sei darauf hingewiesen, dass die Markttechnik ein fundiertes Wissen um die Aufbau und Zusammenhänge von Kassa- und Terminmarkt erfordert.
Die beiden – und so viel sei gesagt – riesigen(!) und umfangreichen(!) Themen: Kursfeststellung und das Wissen um die Marktteilnehmer allein, bringen uns jedoch noch lange nicht weiter. Nun muss das Verständnis um den Trendaufbau dazugezogen werden.
…dritter Akkord: Trendaufbau
Wenn das Wort »Trend« während des Börsenalltags; innerhalb Publikationen oder Analysen fällt, erzeugt dies bei kurzfrsitig orientierten Börseneinsteigern und Fortgeschrittenen ein Raunen und Gähnen. Aus ihrer Sicht zumindest zu recht, da doch das Wort „Trend“ sich meist auf ein Wochen und Monate andauerndes Investment bezieht. »Trend« hat den bitteren Beigeschmack von extrem langfristigem Investieren. Der klassische Börsenanfänger will aber eigentlich genau das Gegenteil davon.
Dennoch stellt sich die Frage, warum so viele Anleger, Investoren, aber auch kurzfristigen Trader nach Trends suchen? Die Antwort ist einfach, bedarf sie jedoch eines anderen Blickwinkels: Die Suche nach einem Trend, liegt nicht vordergründig im Willen diesen auch zu handeln begründet, sondern viel mehr, weil innerhalb eines Trends das Verhalten von Marktteilnehmern sehr klar zu identifizieren ist. Also wenn ein Marktteilnehmer einen tendierenden Markt bevorzugt, heißt das nicht, dass er deswegen den vorherrschenden Trend auch langfristig (gilt auch bei einem 10-Minuten Chart etc.) durchhandeln möchte.
– Nun gut, wie wird’s gemacht? Dem Marktteilnehmer stehen klassisch zwei bekannte Möglichkeiten zur Verfügung: Trendlinien oder Indikatoren. Das Für und Wider der beiden Varianten soll jetzt nicht Gegenstand der Zeilen werden, vielmehr aber die dritte Möglichkeit einen Trend zu definieren: nämlich aus der Sicht der Markttechnik. Dieser ist nicht besser oder schlechter, sondern schlicht: nur Anders.

Ein aufwärts gerichteter Trend ist deswegen ansteigend, weil steigende Hochs sich mit gleichzeitig ständig ansteigenden Tiefs abwechseln. Kurz: Ein Hoch ist höher als das Hoch zuvor und ein Tief ist höher als das Tief zuvor. Daher muss in einem Aufwärtstrend jedem Hoch ein Tief folgen, das höher liegt als das vorherige Tief, und das neue Hoch muss höher liegen als das letzte Hoch. Analog andersherum. Die Trendbeschreibung ist zu vergleichen mit einem Ballspiel: Wenn ein Ball eine Treppe hinab gestoßen wird, kann das Grundprinzip der Trenddefinition exakt nachvollzogen und abgeleitet werden: Der geworfene Ball wird nach der ersten Treppenstufe auf der zweiten Stufe aufkommen und durch den Schwung zurückprallen. Der Rückpraller wird in seiner Bewegung nachlassen, und der Ball wird nach einem Totpunkt oder Wendepunkt wieder nach unten fallen.
Klingt an sich banal einfach, ist in der Umsetzung aber ein wenig komplizierter. Wenn jedoch die anfänglichen Schwierigkeiten und vor allem optische Fehlerquellen einmal tiefgründig verstanden und daraufhin beseitigt sind, ist diese Art der Trenddefinition ein mächtiges Werkzeug für jeden Marktteilnehmer. In dem Moment, in welchem die Trenddefinition aus marktechnischer Sicht kurz betrachtet wurde, muss zeitgleich der vierte Akkord hinzugezogen werden:
…vierter Akkord: Zeiteinheiten
Durch die Abtragung einer Time&Sales-Liste in die verschiedenen Zeiteinheiten entstehen bei der Zusammenfassung der Kurse immer unterschiedliche Chartbilder, was aber an sich auch nichts neues ist. Den meisten Anlegern ist auch klar, das hier der zweite Mosaikstein für die Liquidität eines Wertes und das Zusammenspiel von Markteilnehmern liegt. Mit der Vorstellung und Visualisierung der verschiedenen Zeiteinheiten wird der Börsenhandel zweidimensional. Denn die Marktteilnehmer können sich nicht nur nach ihren Zielen voneinander unterscheiden (Arbitrage. Hedging, Strategisches Investment, Spekulative Ausrichtung) und somit die Gegenseite im Handel stellen, sondern alle Marktteilnehmer können sich auch in den gehandelten Zeiteinheiten unterscheiden.
Für den Neuling auf dem Gebiet des Börsenhandels und des Tradings sei an dieser Stelle angemerkt, dass in den Zeiteinheiten auch die Antwort auf die häufig gestellte Frage liegt: >Wer nimmt in einem fallenden Markt eine Long-Position ein und stellt somit die Gegenseite zum Short-Vertrag? Sehen die Anderen denn nicht, dass der Markt nach unten stürzt...?<, zu finden ist.

Durch die Betrachtung eines beliebigen Wertes (z.B. Future oder Aktie) auf unterschiedlichen Zeiteinheiten/-ebenen kann ein und derselbe Wert unterschiedliche Trends aufweisen. Hier schließt sich die Bedeutung und Wichtigkeit des vorangegangen dritte Akkords über den Trend deutlich. Die Pauschalaussage, ein Markt befinde sich in einem Aufwärts- oder Abwärtstrend, kann in den Märkten so nicht gelten. Es muss immer der zu der Aussage betrachtete Zeitraum mit erwähnt werden.
Angesichts des Wissens um die Zeiteinheiten muss der Anleger – und ein Trader sowieso - einen Chart immer aus mehreren Sichten betrachten. Durch die genaue Betrachtung der Zeiteinheiten ist er in der Lage, das Zusammenspiel des Trendaufbaus mit seinen Bestandteilen – Bewegung und Korrektur – zu erkennen. Der Marktteilnehmer muss wissen, dass einer Bewegung eine Korrektur folgen muss und befindet sich damit beim fünften Akkord.
…fünfter Akkord: Bewegung und Korrektur
Dem markttechnisch orientierten Anleger ist in seiner umfassenden Tiefe bewusst, dass diese beiden Bestandteile eines Trends ganz gewisse und besonders markante Merkmale aufweisen und er richtet seinen Handel komplett danach aus.
Der Marktteilnehmer muss sich zu jedem Zeitpunkt fragen, ob der Markt sich in der Bewegung oder in der Korrektur befindet und wird das Wissen um das Zusammenspiel der Zeiteinheiten generell bei jedem Trade zur Hilfe nehmen. Vergleichbar mit der im Großen Buch der Markttechnik detailliert beschriebenen Analogie: Wir stellen uns einen Wanderer vor, welcher mitten auf einem Berg abgesetzt wird. Alles, was der Wanderer nun erkennen kann ist, dass der Weg bergab zu einer Berghütte führt (Bild).

Was der Wanderer nicht erkennen kann ist, ob der Weg hinter der Hütte weiter bergab oder stattdessen bergauf verläuft. Kurz: ob dieser Weg zum Gipfel oder ins Tal führt. Dem Wanderer ist es somit bei der ausschließlichen Betrachtung des kurzen Wegstückes, nicht möglich, eine Aussage über die Tendenz, über die längere Richtung, als über den Trend zu machen und kann ebenfalls keine Aussage darüber treffen, von wo der bisherige, also der zurückliegende, Wanderweg kommt. Eine Wette mit anderen Wanderkollegen über die tendenzielle Richtung des Wanderweges wäre hier ein pures Lotteriespiel, da es an unterstützenden Gegebenheiten für den Eingang der Wette fehlt.
Und wo ist jetzt der Bezug zum Börsenhandel? Dieses Beispiel verdeutlicht sehr gut die Begriffe Bewegung und Korrektur. Auf beiden Seiten des Berges liegt ein Trend vor. Linke Seite: steigende Hochs und steigende Tiefs. Rechte Seite: fallende Hochs und fallende Tiefs. Der fallende Weg in (Bild) ist jedoch jedes Mal anders zu interpretieren: Auf der linken Bergseite stellt er nur die Korrektur dar, auf der rechten Bergseite stellt er die Bewegung dar.
Resultat? Vor jedem Trade, unabhängig seiner Ausrichtung, muss die Frage beantwortet werden: Befindet sich der Trade innerhalb einer Bewegung oder der Korrektur? Dieses Resultat muss nun ebenfalls noch auf die übergeordnete Zeiteinheit bezogen werden. Hierzu ein Beispiel (Bild):

Es liegt eine optische Abwärtsbewegung vor. Per Definition ist dieser Verlauf bereits ein Abwärtstrend, da die Hochpunkte und ebenfalls die Tiefpunkte abfallen. Würde man nun diesen Chartverlauf aufklappen, also diesen Kursverlauf eine Zeiteinheit tiefer darstellen, so würde man feststellen, dass hier bereits mehrere Trends vorliegen Die kurze, hier grün gekennzeichnete Gegenbewegung der hohen Zeiteinheit, stellt in der untergeordneten Zeiteinheit per Definition bereits einen Trend dar. Es liegen ansteigende Hochs, gefolgt von ansteigenden Tiefs, vor. Dieser Trend wird in der übergeordneten Zeiteinheit nur als ein kurzer Aufwärtsschub dargestellt, also nur als eine Korrektur ohne jegliche Trendeigenschaften. Würde die rot markierte Zeiteinheit wiederum aufgeklappt werden, so würden auch hier in der untergeordneten Zeiteinheit Trends zu erkennen sein.
Somit ergibt sich folgendes Zusammenspiel der Begriffe: Ein Trend besteht immer aus Bewegung und Korrektur und den damit sehr exakt definierbaren Eigenschaften (siehe Fachbuch: Das Große Buch der Markttechnik). Sollte der Markt einfach nur fallen, so ist auf der betrachteten Zeiteinheit erst dann von einem Trend zu sprechen und der Handel darauf auszurichten, wenn der Bewegung eine Korrektur folgt und dann der Markt wieder in eine Bewegung übergeht und neue Tiefpunkte (Abwärtstrend) oder neue Hochpunkte (Aufwärtstrend) erreicht. Was gilt es dabei zu beachten? Nun, die einzelnen Bewegungen und Korrekturen in einem Trend stellen sich in einer untergeordneten Zeiteinheit selbst wieder als Trend dar.
Resultat? Vor jedem Trade, unabhängig seiner Ausrichtung, muss daher ebenfalls die Frage beantwortet werden: Befindet sich die übergeordnete Zeiteinheit in einer Bewegung oder der Korrektur?
…Zusammenspiel der Akkorde

Das Wissen um den Trendaufbau und das Orderverhalten der Marktteilnehmer lässt den Anleger den Trend gemäß seines markttechnischen Aufbaues erkennen und analysieren. Der Marktteilnehmer muss unabhängig vom betrachteten Markt in jedem Chart die relevanten Punkte (es gibt mehrere für wichtig erachtete Punkt) innerhalb eines Trends erkennen, an denen die gesuchte markttechnisch definierte Bewegung auftritt. Diese Punkte sind in allen Zeiteinheiten ersichtlich. Ganz wichtig: Alle Akkorde bauen aufeinander auf und können an dieser Stelle nicht getrennt von einander gesehen werden.
Fassen wir nun an dieser Stelle schematisch in bestimmten Marktverläufen die Positionen (Terminmarkt) von Marktteilnehmern zusammen, entsteht bei einem ansteigenden und tendierenden Markt und einem Durchbruch durch neu entstandenen Hochpunkt folgendes Orderschema: Die Marktteilnehmer, die auf fallende Kurse spekuliert haben und somit noch offene Short-Positionen haben, hatten diese durch Stopp-Long-Orders im Verlust abgegrenzt und werden nun ausgestoppt. Ausgestoppt bedeutet, dass Long-Kontrakte zur Glattstellung geordert werden müssen. Der Markt übersteigt den vorherigen Hochpunkt. Somit war die Short-Position, je nach Ausrichtung und Zeiteinheit, tendenziell falsch, und ein Positionswechsel mitunter wäre sinnvoll. Diese ausgestoppten Marktteilnehmer sind dann teils auch bereit, ihre Positionen zu drehen. Es wird somit von Short positionierten Marktteilnehmer die doppelte Kontraktanzahl geordert. Diese Orders dienen zum einen der Positionsschließung (Symbol-Männchen 1) und zum anderen der Positionseröffnung. (Symbol-Männchen 2).
Marktteilnehmer, die keinerlei Position hatten, eröffnen bei Überschreiten des letzten Hochpunktes Long-Positionen und spekulieren auf einen Trend, bzw. entstehende Bewegung oder Ausbruch (Symbol-Männchen 3).
Die Marktteilnehmer, die bei dem Durchbruch durch den Punkt 2 bereits Long waren, treten nicht in Aktion, da der steigende Markt ihre Erwartungen erfüllt. Diese Marktteilnehmer werden je nach Handelsausrichtung und /-ziel nun nur ihren Stopp beispielsweise auf den neu entstandenen Tiefpunkt, nachziehen.
Resultat dieses Schemas: Die Frage: Wo entsteht Bewegung lässt sich dahingegen beantworten, insofern der Marktteilnehmer in der Lage ist den ersten Akkord (Kursentstehung) und mit den vier anderen Akkorden im Zusammenhang zu sehen.
Kurzes Fazit: Der markttechnisch orientierte Trader hat verstanden, wie ein Kurs entsteht, und sucht grundsätzlich nach Situationen im Chart, die einen kurzfristigen Überhang an Angebot oder Nachfrage ergeben könnten. Die Schlussfolgerung über das anstehende Orderverhalten erhält der Anleger dadurch, dass er in der Lage ist, sich in die Positionen der anderen Marktteilnehmer hineinzudenken. Ihm ist klar, dass es immer drei Positionen an der Börse gibt und die Marktteilnehmer sich mit ihren Orders dementsprechend verhalten. Der Marktteilnehmer fragt sich daher, wo die Einstiege und, vor allem, die Stopps liegen könnten.
Angesichts seines Wissens um die Zeiteinheiten betrachtet der Anleger einen Chart immer aus mehreren Sichten. Er ist durch die genaue Betrachtung der Zeiteinheiten in der Lage, das Zusammenspiel des Trendaufbaus mit seinen Bestandteilen – Bewegung und Korrektur – mit all seinen Besonderheiten zu erkennen. Der Marktteilnehmer kann sich hinreichend erklären, warum einer Bewegung eine Korrektur folgen muss, und ihm ist bewusst, dass diese beiden Bestandteile eines Trends ihre eigenen wesentlichen markttechnischen Merkmale aufweisen und richtet seinen Handel komplett danach aus. Der markttechnisch orientierte Marktteilnehmer kann sich zu jedem Zeitpunkt die Frage beantworten (dies unterliegt einer Dynamik), ob der Markt sich in der Bewegung oder in der Korrektur befindet, und nimmt hierzu sein umfangreiches Wissen um die Zeiteinheiten generell bei jedem Trade zu Hilfe genommen.
…Suche nach dem Dominoeffekt in derselben bzw. ineinandergreifenden Zeiteinheiten.
Das Wissen um den Trendaufbau und das Wissen um das Orderverhalten der Marktteilnehmer lässt den Trader den Trend gemäß Definition erkennen und benennen. Der so ersichtlich werdende Punkt 2 (kurz: letzter lokaler Hoch- oder Tiefpunkt innerhalb eines Trends) kommt unabhängig vom betrachteten Markt in jedem Chart vor, und ist in allen Zeiteinheiten mehrfach ersichtlich. Der Punkt 2 ist in einem Trend jener Punkt, an dem mit einer entstehenden bzw. fortführenden Bewegung zu rechnen ist. Dieser Gedanke ist durch die Grafik des 1-2-3 (Bild ) dargestellt. Dieses „1-2-3“ steht für die zu erwartende Bewegung im Allgemeinen.
Sollte der Markt ein 1-2-3 über- oder unterschreiten, so lösen die dort liegenden Orders einen kleinen Schub aus, und der schiebt den Markt über den nächsten lokalen Hoch –bzw. Tiefpunkt (siehe Bild: Zwei kurz übereinanderliegende Punkte 2). Die dort liegenden Orders lösen wiederum einen Schub aus, der den Markt wieder über den nächsten Punkt 2 schiebt, usw. Das heißt, die einen Marktteilnehmer werden ausgestoppt, sie müssen also die entgegengesetzte Position kaufen. Sie sind dann eventuell auch bereit, die Position zu drehen, und würden weitere Kontrakte in Ausbruchrichtung kaufen. Unterstützungen erhalten sie von den Marktteilnehmer, die die Position erst jetzt neu eröffnen. Diesen Dominoeffekt sollte sich der Marktteilnehmer grundsätzlich zunutze machen und immer und zu jeder Zeit nach ihm Ausschau halten.
Demnach wird der markttechnisch orientierte Marktteilnehmer immer nach Trends suchen, die in einen weiteren hineinlaufen. Dieser weitere Trend kann sowohl in derselben Zeiteinheit vorkommen als auch in der übergeordneten Zeiteinheit.
Wichtiger Hinweis: Das konkrete markttechnisch orientierte Trading besteht natürlich nicht, wie so oft fälschlicherweise angenommen, im puren naiven Handel eines Punkt 2!!! .
…Markttechnik fängt da an, wo viele Marktteilnehmer aufhören zu Fragen
Der markttechnisch orientierte Trader stellt sich allerdings auf diese umfangreichen, und hier nur in Stichpunkten angerissenen Themen, die Frage, was er mit diesem Wissen anfangen und wie er die Kenntnisse umsetzen bzw. gewinnbringend anwenden kann. Dies geschieht einzig über die Zielfeststellung bzw. - ausrichtung.
Denn es gibt nur nachfolgende drei Ausrichtungen bzw. Ziele für das generelle Investieren und Trading. Diese sind unabhängig und völlig losgelöst von dem gewählten Einstieg zu sehen. Der in (Bild) bereits kurz angedeuteten und hier dargestellten 1-2-3 dient lediglich zur Erläuterung. Es könnte auch ein beliebiges anderes Einstiegssignal vorliegen oder gewählt werden. Diese drei Ausrichtungen, sind der eigentliche fachliche Kernpunkt der Markttechnik und hierin besteht das größte Wissenspotential.

Kurz: … wehe dem Marktteilnehmer, der die Ziele und die Stopps verwechselt. Der markttechnisch orientierte Trader hat das Bild 5 gedanklich und fachlich tiefgründig verinnerlicht, und kann daher die Aussage: das das grobe Tradingziel bzw. -ausrichtung nie miteinander verwechselt werden dürfen, nachvollziehen; ihm sind die drei Möglichkeiten bewusst und da diese vor dem Trade definiert bzw. sich für eine der drei Möglichkeiten entschieden wurde, kommt es im weiteren Chart- und Handelsverlauf keine mentale und fachliche Zerfahrenheit mehr auf. Denn: Eines der großen Probleme eines Börsenanfängers ist, das er nach dem Ein- und dem Ausstieg, den weiteren Chartverlauf beobachten und sich dann immer und generell ärgert, dass er, bezogen auf den weiteren Kursverlauf, den Stopp wieder total falsch gesetzt hatten, denn der Anfänger fragt nicht: »Wie hat dieser Markt denn den weiteren Anstieg/Kursverfall vollzogen? Als Trend, als schnelle Bewegung oder nur als kurzer Ausbruch?«. Solange ein Marktteilnehmer nicht vor dem Trade geklärt hat, was er als »Stil«, also als Ausrichtung bzw. als Ziel (Bild ) handeln will, wird er die Feststellung, mit seinen Stopps falsch gelegen zu haben, immer wieder machen. Denn er wird nur auf die besten Ein- bzw. Ausstiegspunkte achten und sich jedes Mal darüber ärgern, welch große Gewinne ihm wieder entgangen sind.
Als Ergebnis dieser Betrachtung bleibt festzustellen, dass verschiedene Marktteilnehmer zum gleichen Zeitpunkt ihre Position eröffnen können, es bei der diesem Trade zugrunde liegenden Ausrichtung aber erheblichen Unterschiede geben kann und wird.
Wer mehr über das große Gebiet der Markttechnik erfahren möchte, dem stehen aktuell fünf aufeinander aufbauende Fachbücher zu diesem Thema zur Verfügung.
Alle Chart Screenshots stammen vom NanoTrader
